Erst die Kippe zertreten und dann auf die Position.
And the winner is…
12 OktDas AllesWirdGoe-Bildraetsel wurde geknackt. Ueber 6 Wochen hinweg gab es ein dichtes Kopf an Kopf rennen zwischen Hanna und Hans-Werner, doch Benjamin holte auf den letzten Metern ordentlich auf und konnte schließlich das Rennen fuer sich entscheiden. Nicht schlecht staunten wir, als er die schwierigsten Fotos problemlos und aeußerst flink zu loesen wusste. Ein echter Kenner Goettingens eben und unserer Meinung nach ein verdienter Sieg.Wir freuen uns sehr ueber die rege Beteiligung und hoffen, es hat euch genau so viel Spaß bereitet wie uns, die eigene Stadt besser kennenzulernen.
Und nun heißt es eine Woche lang:
Die kleinen Dinge des Lebens
5 OktEin Beitrag mit Fotostrecke
Vor lauter Frust über schlechtes Wetter, zu viel Routine im Alltag oder den Radfahrer, der uns die Vorfahrt klaut, vergessen wir oft, wie gut es uns eigentlich geht und dass wir es sind, die unsere Laune selbst bestimmen können.
Nehmen wir doch einmal den Busfahrer, der mir neulich auf unfreundlichste Art und Weise keinerlei Auskunft darüber geben wollte, welche Haltestelle bei genanntem Ziel am sinnvollsten für mich wäre. Die Bäckersfrau zeigt da schon mehr Engagement bei der Bedienung ihrer Kunden, doch im Drogeriemarkt bekomme ich das Gefühl, mit einem Roboter zu sprechen. Was ist bloß los mit Göttingen? Oder sollte ich lieber Deutschland fragen?
Reisen hilft oft, die Perspektive zu wechseln. Nach meinem 3-wöchigen Trip quer durch das kubanische Land konnte ich unschwer die Folgen des sozialistischen Regimes, der jahrelangen planwirtschaftlichen Monokultur und des nötigen Imports von 80 % der Grundnahrungsmittel in Form von Frustration, Hunger und Armut erkennen. Doch an was diese Menschen reicher sind, als wir in unserem Überfluss ist gute Laune. Wo man auch hinzuschauen vermag, ein jeder strahlt vor Lebensfreude, auf der Straße grüßt man sich, ob fremd, ob Freund und nachts tanzen jung und alt Seite an Seite bis in die frühen Morgenstunden. Bei unserem Roadtrip kehrten wir einmal bei einem 70-jährigen Pärchen ein und baten sie, uns ihr bescheidenes Badezimmer benutzen zu lassen, in dem die Spülung aus einem zu ein Viertel mit dunklem Wasser gefüllten Eimer bestand, das Toilettenpapier in Form von alten Zeitungen an der Wand neben einer zehn Jahre alten Zahnbürste hing. Aus dieser schlichten Absicht heraus ergab sich allerdings eine einstündige Zeremonie, in der wir eingeladen wurden, im 10 qm großen Wohnzimmer in Schaukelstühlen Platz zu nehmen und uns die Frau des Hauses mit frischem Mokka verwöhnte. Ihr Mann erzählte uns von seiner Familie und ließ den kleinen Hund Kunststücke vorführen, der durch unsere Anwesenheit vor lauter Aufregung sein Geschäft in der Ecke des Zimmers verrichten musste. Die beiden erzählten uns von ihrem Traum, nach Spanien auszuwandern. Sie würden nur noch auf die Genehmigung warten…
Zurück daheim erscheint mir plötzlich alles wie im Schlaraffenland. Aus der Dusche ergießt sich ein praller Strahl heißen Wassers und der Supermarkt überfordert mich mit einer Fülle an Auswahl. Wie bescheuert grinse ich in meine leckere Frühstücksmüslischale und freue mich über eine funktionierende Toilettenspülung und ausreichend Papier. Doch auf der Straße wird es mir dann erst bewusst: unfreundliche Gesichter, auf denen Wörter wie STRESS, PRIVAT oder GENERVT zu lesen sind. Wenn dem Busfahrer sein Job keinen Spaß bereitet, wird er dann bis zur Rente Tag ein Tag aus schlechte Laune haben? Und wenn die Leute sich im Supermarkt durch die Fülle an Lebensmitteln futtern können, sollten sie nicht zufrieden sein? Oder hindert der ständige Drang nach Konsum an der Freude und Wertschätzung all dieser Möglichkeiten?
Im Praxistest wollte ich herausfinden, wie viel Kubaner in den Göttingern wirklich steckt. Also grüßte ich einfach jeden, den ich auf der Straße traf. Doch diese Variante war vielleicht zu aggressiv, denn ich bekam nur verwirrte oder grübelnde Blicke mit der Frage, woher man sich kennen könnte, zurück. Das Experiment zeigte mir deutlich, dass ich zu viel von der gängigen Mentalität verlangte. Also versuchte ich es mit einem Lächeln, worauf tatsächlich erste Reaktionen kamen. Vielleicht wurde es hier und da als Flirt interpretiert, im Großen und Ganzen jedoch freute ich mich über jede Erwiderung und meiner guten Laune konnte keiner was.
Sicher ist, von anderen Kulturen, Ländern, Sitten lässt sich viel lernen, ganz besonders jedoch rückt es den Fokus durch die Beschäftigung mit dem „Fremden“ auf das Eigene und läd zu Vergleichen ein. Vielleicht bietet uns das Leben im Überfluss zu viel Auswahl, sodass die Ansprüche steigen und Kleinigkeiten uns völlig aus dem Ruder bringen. Gerade deshalb schlage ich vor sich für den uns ständig umgebenden Luxus zu sensibilisieren und damit meine ich: Sonnenschein, ein leckeres Frühstück, ein funktionierendes Badezimmer oder das Lächeln eines Fremden.
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