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Welttag der Poesie

21 Mar

“Liebe Pioniere,

Ihr beschäftigt Euch mit meinen Gedichten. Da ich nun ab und zu über Gedichte ausgefragt werde und da ich aus meiner Jugend weiß, wie wenig Spass uns Kindern die meisten Gedichte in unseren Lesebüchern machten, will ich ein paar Zeilen darüber schreiben, wie man nach meiner Ansicht Gedichte lesen muss, damit man Vergnügen daran haben kann.
Es ist nämlich mit Gedichten nicht immer so wie mit dem Gezwitscher eines Kanarienvogels, das hübsch klingt und damit fertig. Mit Gedichten muss man sich ein bisschen aufhalten und manchmal erst herausfinden, was schön daran ist.”

So schrieb Bertolt Brecht in einem seiner Aufsätze “Über Lyrik” und verstand es kritisch und mit einer Spur Zynismus über (zu seiner Zeit) modernen Gedichte zu schreiben. Sehr schön finde ich die oben genannte Mahnung, dass man sich mit Gedichten ein wenig aufhalten muss, um sie in ihrer Fülle gänzlich zu erfassen. Und welcher Tag könnte besser dazu passen, als der von der Unesco im Jahre 2000 ausgerufene “Welttag der Poesie”.

Ich werde jetzt kein Plädoyer für die Lyrik halten, aber vielleicht kann ich durch das Folgende den einen oder anderen Leser für eben jene begeistern. Newspaper Blackout Poetry nennt sich eine Form der Lyrik, in der aus zufällig ausgewählten Nachrichtenmeldungen ebenso zufällige Stellen eingeschwärzt werden, die überraschenderweise Sinn ergeben und Freude beim Lesen stiften. Teilweise kommen bei dem unterbewussten einschwärzen der Zeilen dadaistische Resultate heraus, die, wenn auf die Kunst übertragen den Zeichnungen von Jackson Pollock wohl am nächsten kommen würden.

AWG hat sich für Euch durch kostenfreie Sonntags(werbe) “Zeitungen” gewühlt und eine handvoll interessanter Blackout Poems dabei kreiert. Wir wünschen Euch viel Spass beim Lesen! Und wer Lust und ein wenig Zeit hat, kann auch seine ersten Gehversuche mit der Newspaper Blackout Poetry uns zuschicken. (alleswirdgoe@gmail.com) Wir werden alle eingesendeten Meisterwerke hier veröffentlichen!

“Zauberhafte Lisa”

“Stolze Bettina”

“Schnell und schön”

“Mein Ich”

“Aus Mangel”

“Die Weide muss weg”

»Gnädige Frau: ich habe von Ihnen geträumt . . .«

15 Jun

Awertschenko rät Euch …

Wie man Frauen gewinnt

Wir sehen immer wieder, daß hübsche, junge Leute kein Glück bei Frauen haben, während rothaarige, krumme und häßliche Männer die schönsten Damen für sich gewinnen.

Weshalb?

Weil die hübschen, jungen Leute nicht wissen, wie man mit Frauen umgehen muß, und weil die anderen das Geheimnis kennen.

Ich habe für ihr Unglück etwas übrig und will ihnen ein paar Ratschläge erteilen.

Vor allem: Wenn Sie verliebt sind, brauchen Sie nicht sofort Ihren Frack anzuziehen, die weiße Krawatte umzubinden, einen Blumenstrauß in die Hand zu nehmen und der geliebten Frau zu sagen:

»Mein Engel, ich kann nicht ohne Sie leben. Küssen Sie mich!«

Das ist einfältig und dumm.

Machen Sie es so:

Sie kommen eines Abends in der Dämmerung zu ihr. Vorher haben Sie einige Zitronen gegessen und sind sehr bleich. Die Augenränder haben Sie mit verkohlten Zündhölzern ein wenig dunkel gefärbt. Sie setzen sich in eine Ecke und seufzen.

»Warum sind Sie traurig?« fragt die Dame. »Haben Sie Pech in Ihrem Beruf?«

»Der Beruf! Ach, was kümmert mich heute der Beruf.«

»Aber Sie sind so blaß!«

»Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.«

»Weshalb, um Himmels willen?«

»Fragen Sie nicht! Sie sind schuld – ich habe von Ihnen geträumt . . .«

»Mein Gott! Aber ich. kann doch nichts dafür – es tut mir wirklich leid.«

Hören Sie? Es tut ihr leid. Sie tun ihr leid!

»Quälen Sie sich doch nicht!« sagt die Dame.

Sie stehen auf. Sie nähern sich ihr, als wollten Sie sich verabschieden. Sie küssen ihre Hand! Die Dame blickt sie an und lächelt. Das ist der Augenblick! Wenn Sie ihn versäumen, möchte ich für nichts einstehen !

Weitere Ratschläge kann ich Ihnen übrigens nicht geben. Oder haben Sie Weiteres von mir erwartet? . . . Später dürfen Sie nach Hause gehen . . .

*
Ich kannte einen Mann, der diesen Vorgang sehr vereinfachte. Wenn er mit einer Frau allein blieb, umarmte er sie ohne weitere Umstände.

Ich fragte ihn einmal:

»Wie kannst du so stürmisch vorgehen? Ist es dir immer geglückt?«

»Nicht immer. Aber Frauen sprechen nicht viel in solchen Fällen. Sie machen keinen Wirbel. Gelegentlich ohrfeigen sie dich. Aber von hundert Frauen tun das höchstens sechzig. Ich arbeite also mit vierzig Prozent Nutzen. Soviel verdient nicht einmal ein Bankdirektor.«

Nur nebenbei: es handelte sich um einen hübschen, großgewachsenen Mann. Wenn man klein und zart ist, verläßt man sich besser nicht auf diese Methode. In solchen Fällen wirkt es mehr, zu seufzen:

»Gnädige Frau: ich habe von Ihnen geträumt . . .«

*
Einer meiner Freunde arbeitete in Porzellan – das ist einfach und billig. Vor langer Zeit kaufte er auf einer Auktion eine Porzellankatze und einen Chinesen mit wackelndem Kopf. Seither pflegt er zu sagen:

»Lieben Sie altes Porzellan?«

Kennen Sie eine Frau, die den Mut hat, nein zu sagen?

»Ich habe eine hübsche Sammlung alter Porzellanfiguren. Wollen Sie meine Sammlung sehen?«

Wenn die Dame Ihre Wohnung verläßt und den Hut aufsetzt, fragt sie gewöhnlich:

»Ach ja, Sie wollten mir Ihr berühmtes Porzellan zeigen. Wo steht es denn?«

»Dort drüben!« Stoß den Chinesen! Er wird zu wackeln beginnen. Wenn sie dann die Tür hinter sich zuschlägt, schüttelt der Porzellanchinese immer noch nachdenklich seinen Kopf . . .

*
Zuletzt: die Frauen sind poetisch veranlagt. Und der Geiz ist eine prosaische Sache.

Mein Freund verlor die Liebe einer Frau, weil er ihr im Kaffeehaus gesagt hatte:

»Der Mokka kostet fünf Rubel. Du hast mit deinen reizenden Zähnen ein Stück von meinem Kuchen abgebissen – das macht zehn Kopeken. Außerdem habe ich zwanzig Kopeken Trinkgeld gegeben. Ich bekomme also fünf Rubel und dreißig Kopeken von dir.«

Ein Mann, der so spricht, ist im selben Augenblick erledigt.

*
Sie sehen also: ganz ohne Kleingeld geht es nicht!

(Quelle: Arkadij Timofejewitsch Awertschenko, Kurzgeschichten)

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