“Liebe Pioniere,
Ihr beschäftigt Euch mit meinen Gedichten. Da ich nun ab und zu über Gedichte ausgefragt werde und da ich aus meiner Jugend weiß, wie wenig Spass uns Kindern die meisten Gedichte in unseren Lesebüchern machten, will ich ein paar Zeilen darüber schreiben, wie man nach meiner Ansicht Gedichte lesen muss, damit man Vergnügen daran haben kann.
Es ist nämlich mit Gedichten nicht immer so wie mit dem Gezwitscher eines Kanarienvogels, das hübsch klingt und damit fertig. Mit Gedichten muss man sich ein bisschen aufhalten und manchmal erst herausfinden, was schön daran ist.”
So schrieb Bertolt Brecht in einem seiner Aufsätze “Über Lyrik” und verstand es kritisch und mit einer Spur Zynismus über (zu seiner Zeit) modernen Gedichte zu schreiben. Sehr schön finde ich die oben genannte Mahnung, dass man sich mit Gedichten ein wenig aufhalten muss, um sie in ihrer Fülle gänzlich zu erfassen. Und welcher Tag könnte besser dazu passen, als der von der Unesco im Jahre 2000 ausgerufene “Welttag der Poesie”.
Ich werde jetzt kein Plädoyer für die Lyrik halten, aber vielleicht kann ich durch das Folgende den einen oder anderen Leser für eben jene begeistern. Newspaper Blackout Poetry nennt sich eine Form der Lyrik, in der aus zufällig ausgewählten Nachrichtenmeldungen ebenso zufällige Stellen eingeschwärzt werden, die überraschenderweise Sinn ergeben und Freude beim Lesen stiften. Teilweise kommen bei dem unterbewussten einschwärzen der Zeilen dadaistische Resultate heraus, die, wenn auf die Kunst übertragen den Zeichnungen von Jackson Pollock wohl am nächsten kommen würden.
AWG hat sich für Euch durch kostenfreie Sonntags(werbe) “Zeitungen” gewühlt und eine handvoll interessanter Blackout Poems dabei kreiert. Wir wünschen Euch viel Spass beim Lesen! Und wer Lust und ein wenig Zeit hat, kann auch seine ersten Gehversuche mit der Newspaper Blackout Poetry uns zuschicken. (alleswirdgoe@gmail.com) Wir werden alle eingesendeten Meisterwerke hier veröffentlichen!
“Zauberhafte Lisa”
“Stolze Bettina”
“Schnell und schön”
“Mein Ich”
“Aus Mangel”
“Die Weide muss weg”







